Von Julian Schlüßel
Markteinordnung Oktober 2026
Das dritte Quartal 2026 in Kürze
Das dritte Quartal war von einem Spannungsfeld geprägt: Robuste Unternehmensgewinne und KI-Investitionen stützten die Aktienmärkte, während höhere Zinsen die Bondmärkte belasteten. Im September blieben viele US-Standardwerte verhalten, Technologietitel setzten hingegen ihre relative Stärke fort.
Seit Jahresbeginn lagen die USA vor Europa: Der S&P 500 gewann in USD 11,8%, während der Euro Stoxx 50 in EUR es auf eine Wertentwicklung von 8,2% brachte, Japan legte noch stärker zu.
Umfeld und Perspektive bis Jahresende
Für das Schlussquartal bleibt die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ein wichtiger Rückhalt. Kapitalmarktexperten erwarten für 2026 ein globales
Wachstum von 3,1%, für die USA 2,3% und für die Eurozone 1,2%. Ergänzende IWF-Prognosen vom Juli 2026 sehen für die Emerging Markets insgesamt 3,8%, für die asiatischen Schwellenländer 5,0%, für China 4,6% und für Indien 6,4% reales BIP-Wachstum.
Damit bleibt Asien ein wichtiger Wachstumsmotor. Investitionen in Technologie, Verteidigung und Infrastruktur unterstützen die Nachfrage. Starke Gewinnberichte bilden eine Grundlage für weitere Kurschancen. Sie garantieren jedoch keine Fortsetzung der bisherigen Entwicklung.
Das größte Risiko bleibt eine weitere Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten. Höhere Energiepreise können dann Kaufkraft und Margen zusätzlich belasten sowie weitere Zinserhöhungen auslösen. Bis Jahresende beobachten wir deshalb die weitere Entwicklung von Ölpreisen, Inflation und potenzielle Gewinnrevisionen besonders genau.
Unser Basisszenario ist dabei konstruktiv, aber nicht sorglos: Ein disziplinierter Portfolioansatz ist einer einseitigen Wette auf fallende Zinsen oder weiter steigende Technologiekurse vorzuziehen.
Inflation, Zinsen, Renten
Der erwartete Lockerungspfad hat sich verändert. Die EZB erhöhte den Einlagesatz im September auf 2,5% und auch die Fed hob ihre Zielspanne auf 3,75–4,00% an. Kapitalmarktexperten erwarten für Ende 2026 keine Zinssenkungen, sondern weitere Anhebungen. Bei der EZB auf 2,75%, bei der Fed auf 4,00–4,25%. Energiepreise und Inflation bleiben entscheidend. Zunehmende Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen treiben derzeit Risikoaufschläge und belasten inzwischen auch den Euro.
Höhere Renditen verbessern zwar die Ertragschancen festverzinslicher Wertpapiere, erhöhen dabei aber auch Kursrisiken, insbesondere bei
langen Laufzeiten. Unternehmensanleihen mit Investment Grade bieten etwa 6,0% in den USA und 4,2% im Euro-Markt, High Yield etwa 8,2% beziehungsweise 6,4%. Bonität, Laufzeiten und Währungsabsicherung bleiben wichtig. Höhere Finanzierungskosten verschärfen die Schuldenrisiken. Trendfolgende Hedgefonds profitieren daher aktuell von fallenden Anleihekursen, bleiben aber bei abrupten Trend-wechseln verwundbar.
Währungen, Gold, Bitcoin
Der Dollar profitierte zuletzt von geopolitischer Unsicherheit und seinem relativen Zinsvorteil gegenüber dem Euroraum. Der EUR/USD Wechselkurs fiel zeitweise von rund 1,20 auf unter 1,14 (1,13 zum 30.09.2026). Für den weiteren Jahresverlauf gehen die Märkte derzeit von einem herausfordernden Umfeld für den Euro aus, Währungsschwankungen können den Anlageerfolg für Euro-Anleger dementsprechend verändern. Gold bleibt als Diversifikationsbaustein sinnvoll, ist aber weder schwankungsfrei noch ein Ersatz für Liquidität.
Bei Bitcoin bleiben wir angesichts hoher Schwankungen zurückhaltend. Ein anderer langfristiger Treiber verdient mehr Aufmerksamkeit:
Der Ausbau digitaler Infrastruktur. Die IEA (Internationale Energieagentur) erwartet, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 annähernd doppelt so hoch ausfällt wie 2025. Damit rücken neben Rechenzentren auch Netze, Energieversorgung und Speicher zunehmend in den Anlegerfokus.
bleibt deshalb wesentlich für den Anlageerfolg.
